Free mp3: Texte von (und mit) Gabriele Bösch

Am 27. November 2008 fand im Theater Kosmos unter der Regie von Augustin Jagg die Uraufführung des Stücks Der geometrische Himmel der Hohenemserin Gabriele Bösch statt. Aus diesem Anlass war am 13. November im Foyer des Theaters eine Lesung mit Texten der Autorin zu hören. Es lasen die beiden Theaterleiter Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg, sowie die Schauspielerin Ulrike Walther, die neben Hubert Dragaschnig die weibliche Hauptrolle im Stück spielte.

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Retina (gelesen von Ulrike Walther)
Der Anstoß (gelesen von der Autorin)
Annäherung an Rot 1+2 (Romanauszug gelesen von Hubert Dragaschnig)
Kopfdichtungen (gelesen von der Autorin)
Brösel für einen Tag (Ausschnitt aus einer Erzählung, erschienen in der Anthologie Austern im Schnee und andere Sommergeschichten; es liest Augustin Jagg.)


Gabriele Bösch. Geboren 1964 in Koblach. Ab 1982 Studienjahre in Innsbruck (Medizin, Geografie, Geschichte). Lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Hohenems-Unterklien.
Veröffentlichung: Der Geometrische Himmel, Skarabäus Verlag 2007; Theaterbearbeitung von Der Geometrische Himmel, Uraufführung im Theater Kosmos, Bregenz 2008.
Auszeichnungen: Literaturstipendium des Landes Vorarlberg 2004; Zweite beim Prosapreis Brixen-Hall 2005; Teilnahme am 6. Autorinnenforum in Berlin 2007.

Der Steinbruch in der Literatur

Bild zum Ansehen anklicken: Une carrière au Semmering, Lithographie von E. Benkert

Die Arbeit im Steinbruch bleibt für die Arbeiter auch heute noch eine anstregende und verantwortungsvolle Aufgabe, die nicht ohne Gefahren für Leib und Leben ist, auch wenn sich die sozialen und technischen Bedingeungen seit der sozialkritischen Novelle "Die Steinklopfer" von Ferdinand von Saar erheblich verändert haben.

[ÖNB-Digital: Die Steinklopfer] "Die Steinklopfer" aus dem Jahre 1874 ist eine frühe sozialkritische Novelle von Ferdinand von Saar. Nicht mehr der Adel oder die Bürger sind die Hauptpersonen, sondern die unterste Arbeiterschicht beim Bau der Bahnlinie am Semmering. Für die Kunstbauten der Semmeringbahn, allen voran die Viadukte, wurden große Mengen an behauenen Natursteinen benötigt, die ohne maschinelle Hilfsmittel in mühsamer Handarbeit in den nahe der Trasse gelegenen Steinbrüchen bearbeitet werden mussten. Die Originalausgabe der Novelle von 1874 ist auf der Website der österreichischen Nationalbibliothek digitalisiert online.

[Ferdinand von Saar] Ferdinand von Saar - ein verarmter Adeliger - schreibt nach eigenen Worten "nicht etwa, um das harte Los dieser Parias der Gesellschaft, die unsere Dome und Paläste, unsere Unterrichtsanstalten und Kunstinstitute bauen, in grellen Farben zu schildern ... sondern nur, um ein schlichtes Lebensbild aus der großen Masse derjenigen festzuhalten, deren dasein, von schweren körperlichen Mühen überbürdet, im Kampfe um das tägliche Stück Brot meist unbekannt und unbeachtet dahingeht".

In der Prosa von Ferdinand von Saar scheitern normalerweise die Helden und Heldinnen. Sie gehen unspektakulär an der Wirklichkeit zugrunde. Mehr oder weniger psychologisch überzeugend führt er uns vor Augen, wie Menschen vom Alltag aufgefressen und von ihren Mitmenschen durch bloße Befolgung der sozialen Spielregeln ausgelöscht werden. Über weite Strecken ist das auch bei der Novelle "Die Steinklopfer" so.

Mit Tertschka und Georg kommen zwei unglücklich Geborene ("Und wohin sollt' ich gehen?" setzte sie mit einem Seufzer hinzu. "Es ist überall nicht gut in der Welt.") erst dann zu einem trauten Heim im Bahnwärterhäuschen, nachdem sie einen Drangsalierer beiseite geräumt haben. Es ist kein plattes Happy End, sondern eine ausreichend komplexe Lösung nach einer Phase des bangen Wartens. Die künstlerisch verbrämte Sozialkritik des neunzehnten Jahrhundert passt ins Bild der untergehenden Habsburgermonarchie. Die Geschichte mag heute vielleicht nicht mehr so aufregen, die krasse Schilderung der Arbeitsbedingungen hat aber 1874 die Leser sehr wohl aufgerüttelt. Und er war auch mit dem Thema der Zeit voraus: Gerhart Hauptmanns weitaus bekannteres Sozialdrama "Die Weber" erschien erst 1892.

✔Information:
Digital online: Saar, Ferdinand von: Die Steinklopfer. Eine Geschichte - Heidelberg: Verlag v. Georg Weiß, 1874
Die Steinklopfer online bei Gutenberg
Kurzbiografie: Saar, Ferdinand Ludwig Adam von